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Buchmesse_Quelle

Pikachus, Elfen und eine unbequeme Wahrheit

die Leipziger Buchmesse – mein Highlight der letzten Woche. Und diesmal ergatterten meine Tochter und ich einen Platz in der #buchbar. Ein Ort wie ein Café, mit einer langen Tafel in der Mitte, an der man sich einfach zu Autor*innen setzen kann. 

Drumherum: ein buntes Gewimmel aus kostümierten Manga-Fans, Sailor Moons und Pikachus – denn parallel lief die Manga-Comic-Con. Wir bahnten uns unseren Weg durch Superhelden und Elfen, um Sally Lisa Starken wiederzusehen. Zwischen Cosplayern fühlte ich mich kurz wie in einer anderen Welt – dabei ging es im Gespräch mit Sally um genau unsere Welt.

Sie sprach über ihr neues Buch, über autoritäre Regime und darüber, wie wir in Deutschland manchmal denken, wir seien auf einer sicheren Insel. Und dann sagte sie diesen Satz, der mich nicht mehr losließ: „Wir dürfen nicht der Gefahr der beruhigenden Selbsttäuschung unterliegen.“

Ich war erst einmal beeindruckt, wie flüssig sie diese sperrige Formulierung rüberbrachte. Dann dachte ich: Das ist ein bisschen wie wegsehen. Oder so tun, als ginge es einen nichts an. Als könnte man hoffen, dass sich die Dinge von selbst regeln.

Was hat das mit Führung zu tun?

Ich erlebe diese beruhigende Selbsttäuschung immer wieder in Teams. Neulich reflektierte eine Gruppe, wie gut sie miteinander umgehen in den Bereichen Kommunikation, Feedback, Vertrauen und Verantwortung. Ich nenne das Teamradar.

Die Rückmeldung beim Thema Feedback? „Wir geben uns zu wenig Feedback, weil wir Angst haben, jemanden zu verletzen, vor den Kopf zu stoßen oder bloßzustellen. Also lassen wir es lieber bleiben.“

Lieber bleiben lassen. Lieber hoffen, dass es trotzdem gut geht. Lieber nichts sagen, als sich die Mühe zu machen, aufrichtig zu sein.

Ich dachte: Gut, dass das nun adressiert ist. Daran können wir arbeiten.

Im Folgeworkshop haben wir uns dann genau dem gewidmet: Wie gebe ich Feedback, das aufrichtig ist und menschlich zugewandt? Nicht zu hart. Nicht zu nett. Sondern mitfühlend aufrichtig. Das Mittelmaß zwischen knallhartem Feedback ohne Interesse am Gegenüber und zu vorsichtig sein, um ja nicht zu verletzen.

Uns muss doch klar sein:

Hoffen bewegt nichts. Handeln schon. Und dafür braucht es vor allem zwei Dinge:

  • Machen Sie das Unbequeme sichtbar. Fragen Sie im Team konkret: „Was vermeiden wir gerade, weil es anstrengend ist?“ Diese Frage allein bringt schon Bewegung rein. Denn oft wissen alle, was das Problem ist – aber keiner spricht es aus.
  • Verstehen Sie Feedback als Fürsorge. Nichts sagen ist nicht nett, sondern gleichgültig. Aufrichtiges Feedback ist Wertschätzung. Es bedeutet: Sie sind mir wichtig genug, dass ich mir die Mühe mache, ehrlich zu sein. Auch wenn es unbequem ist.
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Zum Schluss Sallys Aufruf: Es sei nicht nur Aufgabe der Politik, sich autoritären Bestrebungen entgegenzustellen. Auch die Zivilgesellschaft müsse handeln. Auf ihre Zusammenarbeit komme es an.

Genau das gilt auch für Teams. Die kleinen Korrekturen, die wir scheuen – sie sind nicht nur Aufgabe der Führungskraft. Es ist die Verantwortung aller. Und es ist die Zusammenarbeit, auf die es ankommt. Nicht das Hoffen, sondern das gemeinsame Tun.

Wo erleben oder erkennen Sie beruhigende Selbsttäuschung in Ihrem Team? Schreiben Sie mir gerne – ich bin neugierig auf Ihre Erfahrungen.